Komplementäre Medizin

Huaier-Pilz: Wirkung, Studienlage und Forschung bei Krebs

Der Huaier-Pilz wird in China seit Langem verwendet, seine Extrakte werden inzwischen in klinischen Studien untersucht – vor allem zur Wirkung bei Krebs. Am ausführlichsten erforscht ist die Anwendung nach einer Operation bei Leberkrebs. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was die Studien zeigen und wie belastbar die Ergebnisse sind.

Heller Baumpilz mit wulstigem Fruchtkörper an einem Baumstamm im Wald
Symbolbild (KI-generiert): Baumpilz an einem Baumstamm.

Erstellt auf Grundlage der unten genannten Fach- und Behördenquellen.

Was ist der Huaier-Pilz?

Huaier ist ein Baumpilz. Er wächst in China vor allem an Robinien und gehört zu den Porlingen – jenen Pilzen, die als feste, konsolenartige Fruchtkörper aus der Rinde treten. Wissenschaftlich hieß er lange Trametes robiniophila, nach neuerer Systematik Vanderbylia robiniophila. Beide Namen stehen in der Fachliteratur nebeneinander und meinen denselben Pilz.

In China wird Huaier seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin verwendet. Für die Forschung ist heute allerdings weniger der Pilz selbst interessant als das, was aus ihm hergestellt wird. Untersucht werden fast ausschließlich standardisierte Granulate und wässrige Extrakte mit definiertem Gehalt an Inhaltsstoffen. Wenn im Folgenden von Studienergebnissen die Rede ist, beziehen sie sich auf solche Zubereitungen – nicht auf getrockneten Pilz und nicht ohne Weiteres auf beliebige Handelsprodukte.

Welche Wirkung wird bei Huaier untersucht?

Wer nach der Wirkung von Huaier sucht, stößt fast immer auf dieselbe Stoffgruppe: Polysaccharide, also langkettige Zuckerverbindungen. Im Extrakt sind sie an Eiweißbausteine gebunden. Diese Proteoglykane gelten als der Anteil, der die im Labor beobachteten Effekte am ehesten erklärt.

Vier Ansatzpunkte stehen dabei im Vordergrund:

  • Zellteilung: In Zellkulturen teilten sich behandelte Tumorzellen langsamer als unbehandelte.
  • Programmierter Zelltod: Jede Zelle trägt ein eingebautes Abbauprogramm, die Apoptose. Es sorgt dafür, dass beschädigte Zellen sich geordnet auflösen. In Tumorzellen ist dieses Programm häufig gestört. Laborarbeiten beschreiben, dass Huaier-Extrakt es wieder anstößt.
  • Signalwege: Zellen steuern ihr Wachstum über Ketten von Botenstoffen, die Signale von der Zelloberfläche bis in den Zellkern weitergeben. Mehrere Arbeiten berichten, dass der Extrakt in solche Ketten eingreift und Wachstumssignale dämpft.
  • Immunreaktionen: Beschrieben wird außerdem ein Einfluss auf Immunzellen, die entartete Zellen erkennen und angreifen.

Diese Beobachtungen stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen. Sie erklären, warum eine Substanz überhaupt in die klinische Forschung gelangt. Ob sich derselbe Effekt beim Menschen einstellt, muss jede Substanz erst in Studien am Patienten zeigen.

Was zeigt die klinische Studie zu Leberkrebs?

Das mit Abstand gewichtigste Ergebnis stammt aus einer randomisierten Multicenter-Studie, die 2018 in China veröffentlicht wurde. Teilgenommen haben 1.044 Patientinnen und Patienten, bei denen zuvor ein hepatozelluläres Karzinom – die häufigste Form von Leberkrebs – operativ entfernt worden war. Ein Teil von ihnen nahm anschließend bis zu 96 Wochen lang Huaier-Granulat ein, die Kontrollgruppe nicht.

Die veröffentlichten Werte fielen zugunsten der Huaier-Gruppe aus:

  • Rückfallfreies Überleben: 62,39 Prozent gegenüber 49,05 Prozent in der Kontrollgruppe.
  • Gesamtüberleben: 95,19 Prozent gegenüber 91,46 Prozent.
  • Rückfälle außerhalb der Leber: 8,60 Prozent gegenüber 13,61 Prozent.

Diese Zahlen sind keine Heilungsraten. Sie beschreiben, wie viele Teilnehmende im Beobachtungszeitraum ohne erneuten Tumor blieben, wie viele noch lebten und bei wie vielen ein Rückfall außerhalb der Leber auftrat. Der Abstand beim rückfallfreien Überleben – gut 13 Prozentpunkte – ist dabei der auffälligste Wert. Die vollständigen Angaben zu Aufbau und Auswertung stehen im Studieneintrag bei PubMed.

Für einen traditionell verwendeten Naturstoff ist eine Untersuchung dieser Größe ungewöhnlich. Was fehlt, sind unabhängige Folgestudien: Das Ergebnis wurde bislang nicht außerhalb Chinas überprüft und bleibt damit ein starker Einzelbefund.

Wie belastbar sind die bisherigen Studien?

Neben der Leberkrebsstudie gibt es eine ganze Reihe kleinerer klinischer Untersuchungen zu weiteren Fragestellungen. Zusammenfassende Auswertungen berichten daraus ein mögliches Potenzial von Huaier als ergänzende Therapie.

Wie tragfähig diese Zusammenfassungen selbst sind, hat eine kritische Übersicht aus dem Jahr 2022 untersucht. Sie hat vorhandene systematische Reviews methodisch bewertet und nennt Schwächen im Studiendesign, erhöhte Verzerrungsrisiken sowie eine Belegqualität, die überwiegend als moderat bis sehr niedrig eingestuft wird.

Das heißt nicht, dass die berichteten Effekte falsch wären. Es heißt, dass die zugrunde liegenden Studien nicht sorgfältig genug angelegt sind, um sie zu bestätigen. Das Forschungsbild ist damit nicht leer, aber auch noch nicht abgeschlossen.

Ist Huaier in Deutschland zugelassen?

Nein. In Deutschland gibt es kein zugelassenes huaierhaltiges Arzneimittel. Das hat der Deutsche Bundestag am 28. April 2026 unter dem Titel „Kein Einsatz von Huaier-Präparaten in der Onkologie“ mitgeteilt. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegt bislang weder ein Zulassungsantrag noch ein Antrag auf wissenschaftliche Beratung vor. In derselben Mitteilung verweist die Bundesregierung zugleich auf die positiven Ergebnisse der chinesischen Studie von 2018.

Eine fehlende Zulassung ist eine Aussage über ein Verfahren, nicht über eine Wirkung. Sie besagt, dass niemand die erforderlichen Unterlagen eingereicht hat – nicht, dass eine Prüfung negativ ausgefallen wäre.

Wer auf Deutsch nach Informationen sucht, landet schnell bei Huaier.eu. Das Portal bündelt deutschsprachige Informationen und unterhält eine umfangreiche Studiendatenbank, die den Zugang zur Originalliteratur erleichtert. Zur Einordnung gehört, dass die Seite Huaier durchgehend positiv darstellt und mit einem kommerziellen Produktangebot verbunden ist. Als Einstieg in die Studienlage ist sie brauchbar, als neutrale Bewertung ist sie nicht gedacht.

Was lässt sich derzeit sagen?

Huaier ist mehr als ein traditionell verwendeter Pilz mit interessanten Laborbefunden. Vor allem die große Studie nach einer Leberkrebsoperation liefert Ergebnisse, die Aufmerksamkeit verdienen.

Gleichzeitig ist Huaier in Deutschland noch keine etablierte Behandlung. Entscheidend wird sein, ob unabhängige Studien die bisherigen Ergebnisse bestätigen und ob standardisierte Präparate künftig auch in Europa medizinisch bewertet werden.

Häufige Fragen zum Huaier-Pilz

Was ist der Huaier-Pilz?

Huaier ist ein Baumpilz, der in China vor allem an Robinien wächst und dort seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin verwendet wird. Wissenschaftlich wird er als Trametes robiniophila beziehungsweise Vanderbylia robiniophila geführt. In der Forschung geht es fast immer um standardisierte Granulate und wässrige Extrakte, nicht um den Pilz in roher Form.

Welche Wirkung wird Huaier zugeschrieben?

Untersucht werden vor allem Polysaccharide aus dem Extrakt. Laborarbeiten beschreiben, dass sie die Teilung von Tumorzellen bremsen, den programmierten Zelltod anstoßen, Wachstumssignale dämpfen und Immunzellen beeinflussen. Diese Befunde stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen und sind der Ausgangspunkt der klinischen Forschung.

Was zeigen klinische Studien zu Huaier?

Die größte Untersuchung ist eine randomisierte chinesische Studie von 2018 mit 1.044 Teilnehmenden nach der operativen Entfernung eines hepatozellulären Karzinoms. Das rückfallfreie Überleben lag dort bei 62,39 Prozent gegenüber 49,05 Prozent in der Kontrollgruppe, das Gesamtüberleben bei 95,19 gegenüber 91,46 Prozent. Kritische Übersichtsarbeiten halten die Qualität der Huaier-Studien insgesamt allerdings für begrenzt.

Ist Huaier in Deutschland zugelassen?

Nein. Nach der Mitteilung des Deutschen Bundestages vom 28. April 2026 gibt es in Deutschland kein zugelassenes huaierhaltiges Arzneimittel, und beim BfArM wurde bislang kein Zulassungs- oder Beratungsantrag gestellt. Das ist eine Aussage über das Zulassungsverfahren – eine Wirksamkeitsprüfung mit negativem Ergebnis hat es nicht gegeben.

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Stand des Artikels

Veröffentlicht am 03.09.2026
Zuletzt aktualisiert am 03.09.2026

Quellen dieses Artikels

Die verwendeten Quellen finden Sie direkt unter diesem Artikel.

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Quellen und weiterführende Informationen

  • Huaier.eu

    Deutschsprachiges Informations- und Studienportal (mit kommerziellem Produktangebot)

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    Abrufdatum: 03.09.2026

  • Deutscher Bundestag (heute im bundestag)

    Kein Einsatz von Huaier-Präparaten in der Onkologie (28.04.2026)

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    Abrufdatum: 03.09.2026

  • PubMed (U.S. National Library of Medicine)

    Randomisierte Multicenter-Studie zu Huaier-Granulat nach Resektion eines hepatozellulären Karzinoms (2018)

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    Abrufdatum: 03.09.2026

  • PubMed (U.S. National Library of Medicine)

    Kritische Übersicht systematischer Reviews zu Huaier (2022)

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    Abrufdatum: 03.09.2026